Die Qual der Wahl – Teil II

Moin liebe Leute, wie angekündigt hier Teil II:

Warum habe ich mich für das Online-Format entschieden?

Eigentlich hatte ich keine echte Wahl

Als ich mit der Vorbereitung begonnen habe, habe ich noch in Mecklenburg-Vorpommern in der Nähe der Insel Usedom gewohnt. Die Auswahl an Präsenzkursen war dort sehr begrenzt. Der nächstgelegene Kurs fand in Rostock statt – rund eineinhalb Stunden entfernt. Die nächste Alternative wäre Berlin gewesen, was bereits eine Anreise von etwa zwei Stunden bedeutet hätte.

Damit blieb praktisch nur ein Wochenendkurs als realistische Option. Dagegen habe ich mich jedoch bewusst entschieden. Die Vorbereitungszeit ist ohnehin lang genug. Hätte ich über ein Jahr hinweg nahezu jedes Wochenende mehrere Stunden im Zug und anschließend in Vorlesungen verbracht, wäre das für mich auf Dauer nicht tragbar gewesen.

Die Bedeutung von Freizeit und Ausgleich

Aus Gesprächen mit Kollegen und auch aus eigener Erfahrung wusste ich, wie wichtig ein Ausgleich während einer so langen Lernphase ist. Mindestens ein freier Tag pro Woche, der ausschließlich der Erholung dient, halte ich für essenziell.

Natürlich kann man in den letzten Wochen vor der Prüfung auch einmal auf diesen freien Tag verzichten. Über einen Zeitraum von einem Jahr hätte ich das jedoch nicht durchhalten wollen. Deshalb habe ich mich letztlich für einen Online-Kurs im Abendformat entschieden.

Der Aufbau des Online-Kurses

Mein Kurs findet wie schon erwähnt zweimal pro Woche statt – jeweils dienstags und donnerstags für drei Stunden. Zusätzlich werden alle Veranstaltungen aufgezeichnet, sodass man sie später erneut ansehen kann.

Da ich während der Corona-Pandemie studiert habe, war ich bereits mit Online-Lehrformaten vertraut. Ich wusste daher, dass ich grundsätzlich gut damit arbeiten kann. Trotzdem muss ich ehrlich sagen: Wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich ein Präsenzformat bevorzugt.

Die Herausforderungen des Lernens von zu Hause

Zu Hause ist die Ablenkung oft nur einen Klick entfernt. Schnell wird nebenbei eine Nachricht auf dem Handy gelesen, eine E-Mail beantwortet oder ein kurzer Gang in die Küche eingelegt. Niemand sieht, ob man aufmerksam zuhört oder gerade gedanklich abschweift.

Gerade deshalb erfordert ein Online-Kurs deutlich mehr Selbstdisziplin als eine Präsenzveranstaltung. Wer nicht aufpasst, verliert schnell den Fokus. Ich habe definitiv bei einigen Vorlesungen nur halb zugehört und weiß, dass ich diese Themen nochmals wiederholen muss. Also eigentlich die Zeit die ich reingesteckt habe “verschwendet”, weil ich nochmals Zeit investieren muss. Ich hoffe jedoch, dass trotzdem schon einiges hängen geblieben ist und die Wiederholung daher eher das Wissen festigt als erstmalig vermittelt. Wir werden es sehen >.<

Aufzeichnungen – Fluch und Segen zugleich

Die Aufzeichnungen sind für mich gleichzeitig einer der größten Vorteile und eine potenzielle Gefahr.

Positiv ist, dass man keine Inhalte verpasst, wenn man einmal verhindert ist. Außerdem lassen sich schwierige Themen jederzeit wiederholen, was besonders hilfreich ist, wenn seit der ursprünglichen Veranstaltung bereits einige Zeit vergangen ist.

Bei meinem Anbieter Bannas können die Videos zudem mit erhöhter Geschwindigkeit abgespielt werden. Da viele Dozenten aus didaktischen Gründen etwas langsamer sprechen, lassen sich die Aufzeichnungen oft problemlos mit 1,5- bis 2-facher Geschwindigkeit ansehen. Dadurch kann aus einer dreistündigen Vorlesung schnell eine Wiederholung von nur anderthalb bis zwei Stunden werden.

Gleichzeitig birgt diese Flexibilität aber auch Risiken. Man muss konsequent am Ball bleiben und die Videos regelmäßig nachholen. Wer mehrere Wochen aussetzt, gerät schnell ins Hintertreffen. Das habe ich damals im Studium selbst erlebt. Wenn man 4 Wochen vor der Prüfung das erste Mal die Videos eines ganzen Semesters anschauen möchte. Diese Klausur ist dann leider auch nicht so gut ausgefallen, sodass ich diesmal sehr darauf geachtet habe trotzdem nie zu weit zurück zu fallen, als ein paar Veranstaltungen.

Mein Wechsel vom Live-Unterricht zu den Aufzeichnungen

In den ersten Monaten habe ich die Veranstaltungen noch live verfolgt. Nach meinem Umzug hat sich das jedoch geändert.

Oft bin ich erst gegen 17 Uhr oder sogar später zu Hause gewesen, da die Züge regelmäßig Verspätung hatten. Bis dann noch gekocht und der Alltag erledigt war, wurde es häufig knapp. Vor allem fehlte mir nach einem langen Arbeitstag oft die Energie, bis 21 Uhr konzentriert einem Dozenten zuzuhören.

Deshalb habe ich meine Lernroutine umgestellt. Statt die Veranstaltungen live zu besuchen, schaue ich mir mittlerweile die Aufzeichnung der vorherigen Sitzung in erhöhter Geschwindigkeit an. So bleibe ich weiterhin im Zeitplan und kann die Inhalte zu einem Zeitpunkt bearbeiten, der besser zu meinem Alltag passt.

Mehrere Dozenten als zusätzlicher Vorteil

Ein weiterer Pluspunkt des Online-Formats ist die Möglichkeit, auf parallel laufende Kurse zuzugreifen, zumindestens ist dies bei meinem Anbieter möglich. Diese werden dann teilweise von anderen Dozenten unterrichtet.

Mit einem Dozenten meines Kurses kam ich didaktisch überhaupt nicht zurecht. Dank der zusätzlichen Aufzeichnungen kann ich mir die entsprechenden Themen jedoch bei einem anderen Dozenten ansehen, dessen Lehrstil mir deutlich besser liegt. Diese Flexibilität hätte ich in einem klassischen Präsenzkurs nicht gehabt.

Vernetzung im Online-Kurs

Ein Nachteil des Online-Formats ist die eingeschränkte Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. In Präsenzkursen lernt man häufig Menschen aus der eigenen Region kennen. Daraus entstehen nicht selten Lerngruppen oder private Treffen zum gemeinsamen Lernen, zum Teil auch Freundschaften die noch Jahre später anhalten. Wer so eine Ausnahmesituation gemeinsam durchgestanden hat, den verbindet wohl etwas.

Auch in unserem Online-Kurs gibt es die obligatorische WhatsApp-Gruppe. Da der Kurs mit rund 20 Teilnehmern relativ klein ist, wird diese im Vergleich zum Parallelkurs, der deutlich größer ist, auch tatschächlich genutzt. Bei Fragen zu Klausuren, organisatorischen Themen oder fachlichen Problemen helfen sich die Teilnehmer gegenseitig. Da die Teilnehmer jedoch aus ganz Deutschland kommen, ergeben sich nur selten Möglichkeiten für persönliche Treffen oder gemeinsame Lernnachmittage vor Ort, was ich sehr bedauere.

Mein bisheriges Fazit

Obwohl meine Vorbereitung noch läuft, überwiegen für mich die Vorteile des Online-Formats bislang deutlich. Die zeitliche Flexibilität ist für meine persönliche Situation entscheidend und hat es mir überhaupt erst ermöglicht, die Weiterbildung mit Beruf und Alltag zu vereinbaren.

Gleichzeitig sollte man die Anforderungen nicht unterschätzen. Ein Online-Kurs bietet viel Freiheit – verlangt dafür aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Disziplin. Wer damit umgehen kann, erhält ein äußerst flexibles und effektives Lernformat. Auch hier gilt natürlich wieder, das es auf jeden Menschen indiviuell ankommt. Manche Menschen sind nicht in der Lage konzentriert vor einem Bildschirm zu sitzen, andere, wie einige in meinem Kurs zum Beispiel, haben Kinder oder andere Verpflichtungen, sodass sie gar keine Möglichkeit haben, als sich abends, wenn die Kinder schlafen, die Aufzeichnungen anzusehen. Ich hoffe jedoch, dass ich die ein oder anderen Vor- und Nachteile aus meiner Sicht darstellen konnte.

Welche Variante habt ihr gewählt? Und warum? Was seht ihr noch so an Vor- und Nachteilen an den jeweiligen Formaten?

P.S. ich habe am Montag endlich meine vorläufige Zulassung zur Prüfung erhalten! 😎 Ich muss zwar noch kurz vor der Prüfung meinen letzten Tätigkeitsnachweis einreichen, aber es ist jetzt schon ein gutes Gefühl zu wissen, dass es mit der Anmeldung alles geklappt hat. Dann in den nächsten Tagen noch die 1.600 EUR überweisen 😥

Ich wünsche euch allen weiterhin viel Kraft für die nächsten Tage und dass wir alle diese Hitzewelle gut überstehen und trotzdem die eine oder andere Klausur geschrieben werden kann!

Grüße aus meinem Arbeitszimmer bei 26,8 °C

Cindy

Ein Beitrag von:

  • Moin liebe Leute! Ich bin Cindy, 29 Jahre jung und wohne in der wunder­schönen Nord­heide. Ziel des Aben­teuers: Steuer­bera­ter­prüfung 2026/27. Und ja, der Weg dort­hin war jetzt schon so eine Art Achter­bahn­fahrt....

Kommentare zu diesem Beitrag:

2 Antworten

  1. Hey Cindy. Keine Sorge, auch im Präsenzseminar liegen die Handys bereits und wenn der Kopf mal zu sehr raucht geht man kurz raus und schnappt Luft (ode raucht eine). Wir Präsenzlerner kommen fast alle mit dem Auto und statt Lala läuft im Auto meist ein Podcast zum Thema, oder Siri liest Skripte vor oder nach. Siri ist unser Dozent für allzu peinliche Fragen (Hey Siri, was ist eine Betriebsaufspaltung?). Ich persönlich finde Online fast schon besser als Präsenz, nicht nur weil man die Geschwindigkeit einstellen kann sondern man hat den MEGA Bonus sich das eine oder andere noch einmal anzuhören wenn es besser passt oder halt der Kopf einen besseren Tag zum Zuhören hat. Ist wohl immer so. Wenn den Nachbar ein anderes Auto hat will man plötzlich auch so eins… Durchhalten!

    1. Hey Gerome,
      sehr interessant zu hören wie es im Präsenzkurs abläuft. Und ja das Gras ist wohl immer grüner auf der anderen Seite.
      Zum Thema Podcast würde mich ja total interessieren, welchen du da hörst? Ich habe bislang kaum welche gefunden. Siri vorlesen zu lassen klingt allerdings auch nach einer echt innovativen Idee, da bin ich so noch gar nicht drauf gekommen. Ich habe mir bei längeren Autofahrten ab und zu eine Aufnahme einer Vorlesung angemacht, dass hat auch immer gut funktioniert, bis man mal wieder in einem Funkloch war. 😉
      Liebe Grüße

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