Wir haben mittlerweile Juli – draußen ist es mal mehr mal weniger warm, lange hell, Freunde gehen raus, feiern, ins Freibad. Die WM ist auf den Zielgeraden. Die ersten berichten von ihrem Sommerurlaub oder ihrer Vorfreude darauf.
Ich sitze gerade auf dem Sofa – habe Rückenschmerzen und gerade eine Lektion Einkommensteuer hinter mir. Während also alle ihren Alltag leben, ist meiner ausgerichtet auf das Steuerberaterexamen im Oktober. Lernen, wiederholen, zweifeln. Und das dann wieder von vorne. Klar, zwischendurch gibt es auch mal eine Pause, so wie letzte Woche auf dem Schützenfest, aber auch hier schwebt immer der Gedanke “Examen” mit.
Die Zweifel sind das, was mich aktuell oft traurig macht. Was, wenn es im zweiten Versuch auch nicht klappt? Was, wenn ich die Themen nicht kann die drankommen? Das Geld was ich jetzt investiere, es fehlt mir an andere Stelle. Diese Investition muss sich also lohnen. Es erhöht den Druck.
Es sind Zweifel, die mir bekannt vorkommen, ich hatte sie letztes Jahr zu dieser Zeit auch. Nicht alle, aber viele von ihnen. Und auch wenn ich weiß, dass diese Phase vorbeigeht, es liegt doch schwer auf meinem Gemüt. Und meiner Laune.
Und dann öffne ich Instagram. Der Algorithmus schlägt mir immer mal wieder weitere Teilnehmer vor. Sie berichten von ihrer Freistellung, von ihren Erfolgen, von 10 Stunden am Schreibtisch. Auch das habe ich letztes Jahr schon einmal erwähnt und wahrscheinlich gibt es Leser die das nicht verstehen und sagen “scroll doch einfach weiter” – ja ihr habt Recht, eigentlich sollte ich das tun. Aber es geht nur selten. Ich sitze dann vor diesem kleinen Bildschirm und frage mich, warum das bei mir immer so schwer aussieht und bei anderen einfach. Klar gibt es auch bei mir Erfolge – ich habe internationales Steuerrecht im Wiederholerkurs so richtig verstanden – aber das fühlt sich nicht nach einem solchen Erfolg an wie gute Klausurergebnisse. Mir fehlt manchmal einfach die Seite der Vorbereitung, die nicht nur aus guten Dingen besteht.
Also wo sind die Teilnehmer, die auch gerade zweifeln und sich fragen, was mache ich hier eigentlich?
Aber nach dem Regen kommt die Sonne – da bin ich mir ganz sicher.
Und damit das auch passiert träume ich schon mal ein wenig von dem Moment, in dem ich den Brief im Dezember öffne und da drin steht, dass ich bestanden habe! Und bis dahin braucht es zusätzlich viel Geduld, Schokolade und vielleicht doch mal den ein oder anderen freien Tag.
Alle die bis hier gelesen haben – ab in die Kommentare und erzählt mir, wie geht es euch, was steht bei euch an? Fühlt ihr euch gerade gut? Was unternehmt ihr, damit es euch gut geht?
5 Kommentare
Das ist die Gefahr der sozialen Medien, gleich, ob es um schöne Körper, Geld oder das Steuerberaterexamen geht: Andere sind schöner, reicher, ohne Zweifel bzgl deren steuerrechtlichen Kenntnisse.
Meiner Ansicht nach ist Zweifeln am eigenen Wissen Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches (Steuerberater-) Leben.
Meine Erfahrung zeigt, dass Menschen ohne Selbstzweifel selten die erfolgreichen, sondern nur Maulhelden sind.
Arbeite konsequent weiter und dann erledige die drei Tage. Gewissheit hast Du vorher nie, nur das Gefühl, alles gegeben zu haben.
Danke für deinen offenen Beitrag. Ich bereite mich gerade auf meinen ersten Versuch im Oktober vor und erkenne mich in vielem wieder.
Seit Anfang Juli bin ich freigestellt und mein Alltag besteht momentan fast vollständig aus Lernen, Klausuren schreiben und Nacharbeiten. Grundsätzlich komme ich voran und es gibt auch Tage, an denen ich merke, dass sich die Arbeit auszahlt. Trotzdem frage ich mich regelmäßig auch, ob mein Wissen am Ende wirklich ausreichen wird und ob ich in der Prüfung genau das abrufen kann, was verlangt wird.
Wenn man liest, dass jemand zehn Stunden gelernt, eine sehr gute Klausur geschrieben und nebenbei noch mehrere Themen wiederholt hat, wirkt die eigene Leistung schnell zu klein. Dabei weiß man natürlich nicht, wie konzentriert diese Stunden tatsächlich waren und wie es der Person an den übrigen Tagen geht. Trotzdem macht das etwas mit einem.
Ich versuche deshalb, mich stärker an meiner eigenen Entwicklung zu orientieren. Vor einigen Wochen gab es Themen, bei denen ich kaum einen Zugang gefunden habe, und heute kann ich sie zumindest strukturiert bearbeiten. Auch eine vollständig geschriebene Klausur oder ein Fehler, den man beim nächsten Mal nicht mehr macht, ist letztlich ein Fortschritt – selbst wenn es sich nicht immer sofort so anfühlt.
Die Zweifel gehören bei mir momentan also definitiv dazu. Gleichzeitig versuche ich, mir bewusst zu machen, dass die Vorbereitung kein Wettbewerb darum ist, wer die meisten Stunden am Schreibtisch verbringt. Entscheidend ist, im Oktober handlungsfähig zu sein und bis dahin körperlich und mental durchzuhalten.
Du bist mit deinen Gedanken auf jeden Fall nicht allein. Ich wünsche dir sehr, dass sich dein Einsatz im zweiten Versuch auszahlt, und hoffe natürlich genauso, dass ich im Dezember nach meinem ersten Versuch einen positiven Brief öffnen darf. Liebe Grüße, Patrick
Ich habe genau diese Frage im Kopf gehabt, als ich gerade IStR gelernt habe. Ich bin dieses Jahr in der mündlichen Prüfung durchgefallen und alle, die mit mir zusammen gelernt haben, haben bestanden. Und sie haben jetzt mit einem anderen Leben angefangen. Ich muss aber lernen, mit dem Zweifel, ob ich dieses Jahr überhaupt bestehen kann.
Seit Juli bin ich in Freistellung und habe ohne Pause jeden Tag gelernt. Jetzt geht der Klausurenkurs langsam los und ich habe einfach kein Bock mehr Klausuren zu schreiben.
Dieses Jahr habe ich mein Wissen wirklich verschärft. Sachen, die ich letztes Jahr sehr schwer finde, finde ich jetzt einfach geworden. Aber die Zeit ist sehr knapp, obwohl ich so fleißig lerne. Ich habe immer noch viele Klausuren, die ich schreiben soll, gar nicht angefasst. Tag 1 hat man 3 Baustellen, Tag 2 und 3 sind umfangreich. Was soll ich machen?
Werde ich die schriftliche Prüfung überhaupt bestehen? Was wäre wenn dieses Jahr ganz viel exotische Themen drankommen, die ich gar nicht kenne? Ist alles wieder umsonst? Muss ich meinen Plan für die nächste Lebensphase wieder verschieben und alles wiederholen?……… ich habe keine Antwort auf diese Fragen.
Aber es ist mir jetzt klar, wenn ich ab jetzt die Klausuren nicht „richtig“ schreibe, sondern nur nach ein paar Stunden direkt in die Lösung schaue, kann ich die Prüfung im Oktober sicherlich nicht schaffen.
Deswegen werde ich ab morgen versuchen, die Klausuren vernünftig zu schreiben und nachzuarbeiten.
Ich fühle das so sehr. Ich gehöre auch zu denen, die dieses Jahr in der mündlichen Prüfung durchgefallen ist. Es ist so hart. Ich habe mich wie ein Idiot gefühlt. Auch Monate später habe ich noch Flashbacks von der mündlichen Prüfung und den Prüfern.
Es war für mich sofort klar, dass ich nicht mehr dieses Jahr erneut schreibe. Nächstes Jahr geht es erst in den nächsten Versuch.
Ich kann die Zweifel also gut nachvollziehen und bin gerade selbst dabei mein Selbstbewusstsein vom Boden aufzusammeln.
Was dein Vorteil ist: du hast die schriftliche Prüfung schon mal geschafft! Zeig denen, was du drauf hast! Noch hast du genug Zeit um viele Klausuren zu üben, aber plane auch Pausenzeiten ein. Du bist keine Maschine. Halte durch und glaub an dich! 🙂
Vielen Dank!
Ich habe sogar ab und zu beim Lernen immer noch das Gefühl, dass ich dieses Jahr einfach für die Quote da war. Eine Prüferin mir als Feedback gesagt, dass mein Vortrag total daneben war und lachend zu mir gesagt “Sie haben bestimmt ein anderes Gefühl, oder? “. Ja, natürlich hatte ich ein gutes Gefühl, weil diese Prüferin mich während meinem Vortrag die ganze Zeit angelächelt hat. Und sie hat sich mit diesem “Anlächeln” sehr gefreut, mich später durchfallen zu lassen:) Ich habe von ihr einfach 2 mal 5 (einmal für den Vortrag und einmal für die Fragerunde) bekommen und dadurch ist die ganze Prüfung versäumt.
Die Fragen, die ich nicht beantworten konnte, konnten die anderen auch nicht. Am Ende wurde fast nur mich geprüft und ich habe nicht aufgegeben. Ich habe bis diese Prüferin mich alleine abgeholt hat, geglaubt, dass ich die Prüfung bestehen würde.
Ich habe so viel Wut und den Druck, dass ich dieses Jahr unbedingt bestehen “muss”. Ich war so knapp vor dem Bestehen und ich habe schon oft gehofft, die Zeit zurückdrehen zu können. Das geht leider nicht. Deswegen kopf hoch und weiter Gas geben!!!
Viel Erfolg auch an dich! Du hast noch viel Zeit.