Wenn das Warten lauter wird als das Lernen

Kurz vor den Ergebnissen

In München ist es bald so weit, sehr bald. Vielleicht schon morgen. Die Ergebnisse der schriftlichen Steuerberaterprüfung stehen kurz vor der Veröffentlichung. Für viele ist diese Phase schwerer auszuhalten als die Klausurtage selbst. Für mich war es das nicht – bis vergangenen Sonntag. So hatte ich mich direkt nach dem Examen voll in die Arbeit gestürzt, habe bis Weihnachten richtig Gas gegeben und war voller Freude, wieder zurück im Beruf zu sein. Dann kam der Sonntag und es war in unserer kleinen Whatsapp-Gruppe eine lapidare Aussage:

„Ich hoffe, die Ergebnisse für München kommen morgen.“ 

Damit wurde nicht nur die darauffolgende Nacht eine Qual, sondern es entwickelte sich eine ganz eigene Dynamik des Wartens. Es ist kein passives Warten, sondern eines voller Rückblicke, innerer Dialoge und Angst vor dem Ungewissen. Habe ich § 15a EStG sauber hergeleitet? War die Umwandlungssteuer wirklich so eindeutig, wie sie mir in der Klausur erschien? Warum war Tag 2 wieder eine Enttäuschung?

Zwischen Hoffnung und nüchterner Statistik

Kurz vor der Ergebnisbekanntgabe pendeln viele zwischen Zuversicht und Skepsis. An einem Tag denkt man: „Das müsste doch gereicht haben.“ 

Am nächsten Tag fühlt es sich an, als sei jede Klausur ein Kartenhaus gewesen. Dieses Schwanken scheint normal, denn es zeigt, wie ernst man diesen Weg genommen hat.

Besonders intensiv ist diese Phase für diejenigen, die im letzten Versuch stehen. Dann geht es nicht mehr um Bestehen oder Nichtbestehen, sondern um eine Weggabelung. Der Gedanke „Was, wenn es diesmal nicht reicht?“ drängt sich auf, selbst wenn man ihn wegzuschieben versucht. Gleichzeitig ist da auch Stolz darüber, diesen Weg bis hierher gegangen zu sein, mit allem, was er an Verzicht, Disziplin und Durchhaltevermögen verlangt hat.

Der letzte Versucht fühlt sich anders an

Im letzten Versuch bekommt jedes Detail mehr Gewicht. Jede Antwort, jede Rechnung, jede Argumentation scheint rückblickend entscheidend. Ich war in der Prüfung deutlich ruhiger als erwartet. Vielleicht, weil ich gelernt habe, mit dem Druck zu leben. Vielleicht auch, weil irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem man weiß: Ich habe bis hier mein Bestes gegeben.

Was jetzt helfen sollte

Es ist ein Gefühl der Endgültigkeit: Das Ergebnis steht bereits fest. Es wird nicht dadurch besser oder schlechter, dass man jede Klausur gedanklich neu schreibt. Das bedeutet nicht, dass Sorgen verschwinden müssen. Sie dürfen und müssen einen Platz bekommen, sollten aber nicht den ganzen Raum einnehmen.

Hilfreich ist auch der Blick nach vorne, unabhängig vom Ergebnis. Wer die Steuerberaterprüfung bis hierher geschafft hat, hat fachlich, mental und organisatorisch enorm viel geleistet. Dieses Wissen verschwindet nicht mit einem Ergebnisbescheid. Es bleibt, egal ob in der täglichen Arbeit, in der Argumentationsfähigkeit oder im Verständnis für Zusammenhänge.

Ein letzter Gedanke für alle, die gerade warten – in München, NRW oder sonst wo

Das Ergebnis kam von außen. Der Weg bis hierher kam von Euch. Und der bleibt.

„Credit belongs to the man who is actually in the arena.“
(Theodore Roosevelt)

In dem Sinne: Ich drücke uns allen fest die Daumen!

Liebe Grüße

Janine

Ein Beitrag von:

  • Hallo zusammen! Mein Name ist Janine, ich bin 35 Jahre alt und lebe in der Nähe von München. Mit diesem Blog möchte ich meinen Weg zum Steuer­berater­examen 2025 teilen – ehrlich, authen­tisch und ohne Beschöni­gung. …

Kommentare zu diesem Beitrag:

11 Antworten

    1. Da hat glaube ich eher der Bestandsschutz für Altregelungen Vorrang.
      D. h. vor der Modularisierung im Drittversuch durchrasseln = gesperrt bis ans Lebensende während jeder ab 2028 unendlich oft schreiben darf.
      So zumindest mein Verständnis von der Sache.

      1. Tatsächlich gibt es wohl in der weiteren Erläuterungen einen Absatz dazu, dass der Bestandsschutz wohl nicht gelten wird. Meines Erachtens hätte das vor Gericht auch keinen Bestand und es wird wohl schwer zu begründen sein, warum es für den einen Jahrgang so und für den anderen anders gelten soll.

    2. Wie ist denn der aktuelle Stand zu der Reform? Ich finde nur etwas zu den geplanten Änderungen, aber nicht zu dem aktuellen Stand. Wann entscheidet sich, ob es so umgesetzt wird?

    1. Ich habe es geschafft! Ich kann es kaum glauben… Am 16.02. ist allerdings schon Mündliche, da ist jetzt nicht mehr so viel Zeit. Lieben Dank fürs Mitfiebern!

  1. Hi Janine, vielleicht hilft es dir, bin auch recht kurzfristig dran: Ich habe beim Studienwerk einzelne Module für die Vorbereitung gebucht. Hat mich eine Kollegin drauf hingewiesen, ich dachte eigentlich dass das ein lokaler Anbieter für NRW ist. Da gibt es die Möglichkeit Vorträge einzusenden und sich ein Feedback dazu geben zu lassen und einen Newsletter in dem alle Neuerungen stehen und man spart sich selber das recherchieren von den aktuellen sachen. Bin so jetzt in kurzer Zeit schon relativ weit gekommen mit meiner Vorbereitung.
    LG und alles gute

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