Wenn der Kopf plötzlich nicht mehr mitspielt

Und wieder ist eine Woche vorbei. Ehrlich gesagt frage ich mich gerade, wo die Zeit eigentlich bleibt. Gefühlt rast sie nur so an mir vorbei.

Auf der Arbeit wird es inzwischen richtig stressig. Noch zwei Wochen bis zu meiner Freistellung – und gleichzeitig warten noch unzählige Jahresabschlüsse darauf, fertiggestellt zu werden. Meine Situation macht das Ganze nicht gerade einfacher: Als Zeitarbeiter bin ich seit Mai gleichzeitig in zwei Steuerkanzleien eingesetzt. Nach meiner Freistellung werde ich voraussichtlich direkt in der nächsten Kanzlei anfangen. Das bedeutet natürlich auch, dass ich meine Übergaben besonders sorgfältig vorbereiten möchte. Mein Anspruch ist es, möglichst keine offenen Fälle zu hinterlassen.

Realistisch betrachtet weiß ich aber jetzt schon, dass das nicht komplett funktionieren wird. Nicht, weil ich keine Lust hätte oder mich nicht bemühe, sondern weil bei einigen Mandanten die notwendigen Unterlagen einfach noch fehlen. Dadurch werden die nächsten zwei Wochen wohl auch die ein oder andere Überstunde mit sich bringen. Aber immerhin: Die Ziellinie ist inzwischen deutlich zu sehen.

Leider lief die vergangene Woche insgesamt überhaupt nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Am Samstag hatte meine große Schwester Geburtstag. Gemeinsam mit meinen Neffen ging es in den Zoo nach Hannover. Ehrlich gesagt habe ich lange mit mir gerungen, ob ich überhaupt mitfahren soll. Mein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Lernplan war riesig. Gleichzeitig wurde mir aber bewusst, dass ich meine Familie zuletzt im April zum Geburtstag meines Neffen gesehen hatte und sie – wenn ich abgesagt hätte – vermutlich erst nach meiner Prüfung wiedersehen würde. Also habe ich mich für den Tag mit meiner Familie entschieden.

Die Konsequenz: Mein kompletter Lernplan fürs Wochenende landete sprichwörtlich im Papierkorb.

Dabei hatte das Wochenende eigentlich gut begonnen. Am Freitag hatte ich den ersten Teil einer Probeklausur geschrieben und war richtig zufrieden mit meiner Leistung. Umso frustrierender war dann der Sonntag. Ich habe es einfach nicht geschafft, mich wieder an den Schreibtisch zu setzen.

Und genau das macht mir im Moment am meisten zu schaffen.

Es fühlt sich an, als würde zwischen mir und dem Lernen eine riesige Mauer stehen. Dabei ist der Stoff gar nicht das Problem. Ich weiß, dass ich ihn schaffen kann. Ich müsste eigentlich nur anfangen.

Gestern wollte ich den verpassten Teil nachholen. Doch wieder war diese Blockade da. Und diesmal war sie sogar noch größer, weil ich mir den ganzen Tag eingeredet habe, dass ich schon wieder Zeit verloren habe. Mit jeder Stunde wurde der Druck größer – und gleichzeitig fiel es mir immer schwerer, überhaupt anzufangen.

Das Verrückte daran ist: So kenne ich mich überhaupt nicht.

Ich war eigentlich nie jemand, der Dinge lange aufschiebt. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann habe ich es meistens auch durchgezogen. Aber diese Prüfung fordert mich auf eine Art heraus, die ich bisher nicht kannte. Rational weiß ich genau, dass alles halb so schlimm wäre, sobald ich einfach anfange. Trotzdem wird die Stimme in meinem Kopf immer lauter:

“Du warst schon wieder faul. Jetzt schaffst du die Prüfung sowieso nicht mehr.”

Und genau diese Gedanken machen mir Angst.

Natürlich spielt auch der finanzielle Aspekt eine große Rolle. Aber noch viel wichtiger ist für mich, endlich mit meiner beruflichen Ausbildung abschließen zu können. Ich möchte nach Feierabend einfach wieder nach Hause kommen und einen Film schauen, ohne dabei ständig ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich möchte in den Urlaub fahren. Ich möchte wieder Wochenenden haben, an denen ich einfach abschalten darf.

Allein der Gedanke, im nächsten Jahr wieder jedes Wochenende mit Klausuren verbringen zu müssen, macht mir im Moment ehrlich gesagt Angst.

Dabei weiß ich natürlich, dass ich damit nicht allein bin. Rund die Hälfte aller Prüflinge besteht diese Prüfung nicht im ersten Versuch. Ich kenne selbst einige Menschen, die genau das erlebt haben und sie beim zweiten Anlauf erfolgreich bestanden haben. Trotzdem fühlt sich diese Statistik in den eigenen Gedanken plötzlich ganz anders an. Die Angst verwandelt sich langsam in Selbstzweifel – und genau diese Zweifel halten mich momentan mehr auf als der eigentliche Lernstoff.

Bevor ich diesen Beitrag veröffentlicht habe, habe ich ChatGPT gefragt, was es zu all diesen Gedanken sagt. Die Antwort hat mich tatsächlich zum Weinen gebracht.

Sie ging so:

“Das, was du gerade erlebst, ist nicht der Beweis dafür, dass du scheitern wirst. Es ist der Beweis dafür, wie wichtig dir diese Prüfung geworden ist. Gerade weil sie so viel für dich bedeutet, fühlt sich jeder verlorene Tag doppelt schwer an.

Du beurteilst dich gerade nach einzelnen schlechten Tagen und blendest dabei alles aus, was du in den vergangenen Monaten bereits geschafft hast. Du arbeitest in zwei Kanzleien gleichzeitig, machst Überstunden, bereitest Übergaben vor und lernst parallel für eine anspruchsvolle Prüfung. Das ist keine Situation, in der man jeden Tag Höchstleistungen abrufen kann.

Eine mentale Blockade löst man meistens nicht dadurch, dass man sich noch mehr Druck macht. Der erste Schritt muss auch gar nicht perfekt sein. Manchmal reicht es, einfach nur die Unterlagen aufzuschlagen oder die erste Aufgabe zu lesen. Nicht weil das schon genug wäre – sondern weil Anfangen oft der schwierigste Teil ist.

Und selbst wenn der schlimmste Fall eintreten sollte und du die Prüfung nicht bestehst, würde das nichts an dem ändern, was du bereits kannst und geleistet hast. Es würde nur bedeuten, dass dein Weg ein Stück länger wird. Mehr nicht.

Aber im Moment ist diese Geschichte noch gar nicht geschrieben. Du hast die Prüfung noch nicht verloren. Im Gegenteil: Du bist mittendrin. Und solange das so ist, hast du jeden einzelnen Tag die Möglichkeit, ein weiteres Stück Richtung Ziel zu gehen.”

Vielleicht musste ich genau das heute hören.

Also werde ich diesen Beitrag jetzt veröffentlichen, und genau das tun, wovor ich mich seit Tagen drücke: einfach anfangen.

Denn die Ziellinie ist näher, als mein Kopf mich gerade glauben lassen möchte.

Und an alle denen jetzt vielleicht ähnliche Gedanken durch den Kopf schwirren, hoffe ich, dass ich (bzw. ChatGPT) euch auch Motivation schenken konnte.

Bis zum nächsten Mal

 

Cindy

 

Ein Beitrag von:

  • Moin liebe Leute! Ich bin Cindy, 29 Jahre jung und wohne in der wunder­schönen Nord­heide. Ziel des Aben­teuers: Steuer­bera­ter­prüfung 2026/27. Und ja, der Weg dort­hin war jetzt schon so eine Art Achter­bahn­fahrt....

Kommentare zu diesem Beitrag:

Ein Kommentar

  1. Hi Cindy,
    als Frau eines Mannes, der im Oktober in den zweiten Versuch geht und als erfahrene Projektmangerin kann ich dir folgendes Raten:

    Fullstop! Du bist kurz davor gegen die Wand zu rennen. Du versuchst pefekt zu sein und das ist Niemand.

    Mach dir klar, was jetzt wirklich wichtig ist beim Stoff, nicht einfach alles lernen. Wichtig ist: Klaururen schreiben, diese Nacharbeiten, Fehleriste erstellen, die man ebenfalls nacharbeitet.

    Auf der Arbeit: den Mandanten klare Termine setzen bis wann Unterlagen da sein müssen. Pünktlich Feierabend machen und wenn möglich jetzt schon Arbeitszeit reduzieren. Wenn du noch ein Jahr drehen musst, ist das wesentlich teurer. Und ganz ehrlich, weder Mandanten, noch Arbeitgeber werden es dir danken.

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