Vor ein paar Wochen war es endlich so weit: Meine Freistellung begann. Auf diesen Moment hatte ich lange hingefiebert. Endlich keine zweite Schicht mehr nach Feierabend, endlich den Fokus voll und ganz auf die Vorbereitung legen.
Mein letzter Arbeitstag endete allerdings anders als gedacht. Bis etwa 22 Uhr saß ich noch im Büro, habe Übergaben vorbereitet und versucht, alles so zu hinterlassen, dass meine Kolleginnen und Kollegen gut weiterarbeiten können. Als ich schließlich nach Hause gegangen bin, war da keine Erleichterung. Stattdessen machte sich ein mulmiges Gefühl breit.
Mir wurde in diesem Moment bewusst: Jetzt gibt es kein “später” mehr. Jetzt beginnt die heiße Phase.
Ein neuer Alltag
Interessanterweise hat sich mein Morgen gar nicht so sehr verändert. Der Wecker klingelt zur gleichen Zeit, ich frühstücke gemeinsam mit meinem Freund, mache mich für den Tag fertig – nur der Weg ins Büro fällt weg. Stattdessen schließe ich die Tür zu meinem Arbeitszimmer und beginne meinen Lerntag.
Die ersten Wochen habe ich genutzt, um Themen nachzuarbeiten, bei denen ich noch Unsicherheiten hatte. Parallel dazu standen Kurzklausuren und viele Wiederholungen auf dem Plan. Einen festen Lernplan zu haben, gibt mir Struktur – trotzdem ist kein Tag wie der Andere.
Die größte Überraschung
Was ich unterschätzt habe? Die Organisation.
Plötzlich sitzt man vor einem Berg aus Skripten, Gesetzen, Klausuren und Wiederholungen und fragt sich: Wo fange ich eigentlich an?
Während der Arbeitszeit war der Tag von außen strukturiert. Jetzt muss ich diese Struktur selbst schaffen. Das klingt einfacher, als es tatsächlich ist.
Lernen ist ein Marathon
Ich habe außerdem schnell gemerkt, dass ein ganzer Lerntag deutlich anstrengender sein kann, als ein Lernabend nach der Arbeit. Nicht körperlich, sondern mental. Deshalb gehören inzwischen auch bewusst eingeplante Pausen im Tag zu meinem Lernplan. Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass jede Pause verlorene Zeit ist. Heute weiß ich: Ohne sie funktioniert es auf Dauer nicht. Ansonsten geht mir gegen Ende hin die Puste aus..
Die Kehrseite der Freistellung
So dankbar ich für die Freistellung bin, sie bringt auch eine gewisse Einsamkeit mit sich.
Im Büro war immer jemand da – ein kurzer Austausch auf dem Flur, ein gemeinsamer Kaffee oder einfach Gespräche zwischendurch.
Heute gibt es Tage, an denen ich das Haus kaum verlasse. Mein Alltag spielt sich größtenteils zwischen Schreibtisch, Gesetzestexten und Klausuren ab. Umso wichtiger ist für mich der Ausgleich am Abend. Ein paar Stunden mit meinem Freund helfen mir, den Kopf frei zu bekommen und am nächsten Tag wieder konzentriert durchzustarten.
Auch wenn die Freistellung nicht ganz so ist, wie ich sie mir vorgestellt habe, würde ich sie nicht missen wollen. Sie gibt mir die Möglichkeit, mich voll auf ein Ziel zu konzentrieren, für das ich lange gearbeitet habe.
Die nächsten Wochen werden intensiv. Das weiß ich. Aber inzwischen habe ich auch gelernt, dass nicht nur Lernpläne und Klausuren wichtig sind, sondern genauso die kleinen Pausen zwischendurch.
Mich würde interessieren: Wie habt ihr Eure Freistellung erlebt? Gab es etwas, das euch überrascht hat oder womit ihr vorher gar nicht gerechnet hattet?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen in den Kommentaren.
Bis bald.