D-Day Tag 3: Finale !

Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, das jetzt tatsächlich zu schreiben: Die letzte Klausur ist geschafft!

Monatelang war dieses Datum immer irgendwo vor mir und plötzlich ist es einfach vorbei. Und das Verrückte daran ist: Ich fühle mich gar nicht so, wie ich erwartet hätte. Ich dachte wirklich, dass ich nach der letzten Klausur völlig überwältigt sein würde – Erleichterung, Freude, vielleicht sogar ein paar Tränen. Stattdessen habe ich mich nach der Prüfung eher… apathisch gefühlt. Ich habe danach jemanden gesehen, der so herzzerreißend geweint hat und seinem Partner direkt in die Arme gefallen ist. Und ich stand daneben und dachte nur das die Person mir unendlich leid tut, aber bei mir selbst kam nichts hoch. Irgendwie hatte ich erwartet, dass mit dem Ende dieser Belastung ein riesiger Stein von mir abfallen würde. Dass ich einfach nur unglaublich erleichtert und glücklich sein würde. Aber bisher ist dieses Gefühl noch nicht so richtig angekommen. Vielleicht braucht es einfach ein paar Tage, bis ich wirklich realisiere, dass ich jetzt tatsächlich fertig bin.

Dazu kommt, dass meine Gefühle gerade sowieso ziemlich gemischt sind. Denn auch wenn die Klausur jetzt vorbei ist, kann ich überhaupt nicht einschätzen, wie sie gelaufen ist. Für mich lief es heute leider wieder nicht so, wie ich es mir erhofft hatte.

Zunächst war die Nacht mal wieder ein bisschen durchwachsen. Immerhin habe ich es um 23 Uhr „schon“ ins Bett geschafft. Mitten in der Nacht bin ich dann allerdings panisch aufgewacht, weil ich plötzlich dachte, ich hätte etwas verloren. Also erst einmal Licht an und hektisch angefangen zu suchen. Bis mir irgendwann klar wurde: Ich hatte das Gesuchte überhaupt nicht mitgenommen. >.<

Ein weiteres Mal wurde ich gegen 5 Uhr wach, konnte zum Glück aber direkt wieder einschlafen. Und es gab sogar einen kleinen Erfolg: Es war der erste Morgen, an dem ich tatsächlich wieder Hunger hatte.

Vor Prüfungsbeginn kam dann allerdings die Panik zurück. Bilanz ist definitiv mein schlechtestes Fach und ich habe die meisten Probeklausuren bis zum Ende immer knapp nicht bestanden. Dementsprechend hatte ich schon vor dem Start ein ziemlich mulmiges Gefühl. Deswegen wollte ich am ersten Tag mehr rausholen. Um mich heute nicht so fühlen zu müssen.

Und ja… genauso lief es heute irgendwie auch wieder.

Ich habe wie immer vorne angefangen und mich nach hinten durchgearbeitet. Beim ersten Überfliegen der Klausur dachte ich tatsächlich noch: Das wird mega. Alles kam mir bekannt vor, es waren Themen dabei, mit denen ich eigentlich gut klarkomme.

Teil I war ein 50-Punkte-Fall zu einem Einzelunternehmer. Und das Thema unverzinsliche Kaufpreisraten hatte ich fast genauso schon in meinem Präsenzklausurenkurs. Ich war also erstmal richtig erleichtert: Geil, ein Thema, das ich kann.

Und dann ging es los.

Barwerte berechnen, Verbindlichkeiten ansetzen, Zinsen ausrechnen – und dann der Moment: Scheiße, für das Handelsrecht gilt ein anderer Zinssatz.

Also alles noch einmal für das Handelsrecht. Und warum gehen meine Buchungssätze nicht auf? Irgendwas fehlt. Ich war wirklich komplett im Tunnel.

Als ich dann wieder auf die Uhr geschaut habe, war einfach schon eine Stunde um.

Eine Stunde! Wo zur Hölle ist die Zeit geblieben? Ich habe es wirklich überhaupt nicht gemerkt. Und ich habe mich kurz an meinen Alptraum von vor ein paar Wochen erinnert, wo ich stundenlang an der ersten Teilziffer hing und dann auf einmal die Hälfte der Zeit um war. Ganz kurz hatte ich gehofft zu träumen.

Danach war ich so panisch und verunsichert, dass ich die Teilaufgabe erst einmal halbfertig stehen gelassen habe. Und genau darüber ärgere ich mich jetzt natürlich total. Das Thema konnte ich. Eigentlich. Aber in diesem Moment war einfach Blackout.

Auch die Gewährleistungsrückstellung hat mich total verwirrt. Die Fundstelle in den Hinweisen habe ich immerhin noch gefunden. Und eine Abzinsung konnte ja eigentlich nicht sein, weil kein Zinssatz für das Handelsrecht genannt wurde – oder war ich zu diesem Zeitpunkt schon komplett blind?

Bei den Prozesskosten war ich dann ebenfalls ziemlich verwirrt. Diese hätten ja eigentlich schon in 2024 gebildet werden müssen, oder nicht? Aber auch hier war kein Zinssatz, also konnte ja nicht abgezinst werden? Ich habe hier nur die Ansatzvorschriften genannt und das war’s. Frustrierend.

Die Bezugsrechte habe ich in den Probeklausuren so oft falsch gemacht, dass es dann mal tatsächlich Klick gemacht hat – und hier bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass ich es richtig gemacht habe.

Bei der Domain und der Internetseite heißt es jetzt: mal sehen.

Und wo genau sollte man eigentlich den § 7g anwenden? Auch das ist so eine Frage, bei der ich im Nachhinein nicht mehr weiß, ob ich einfach nur komplett auf dem Schlauch stand.

Teil II war dafür ein ziemlich dankbarer 20-Punkte-Fall.

Nichts völlig Verrücktes: Grundstück, Gebäude, Verkauf, § 6b. Auch die Bewirtungskosten und die verdeckte Einlage waren schnell erledigt. Hier konnte ich tatsächlich ein bisschen Zeit wieder aufholen, was nach Teil I auch dringend nötig war.

Bei Teil III angekommen, hatte ich noch etwas mehr als zwei Stunden.

Gesellschaftereintritt – ebenfalls ein Thema, das ich mir sogar am Abend vorher noch einmal angeschaut hatte. Ich glaube, an Übertragungsformen war eigentlich alles dabei: § 6 Abs. 3, § 6 Abs. 5, Verkauf und § 24 UmwStG.

Allerdings habe ich ewig gebraucht, um zu verstehen, wie ich die Höhe der erworbenen Anteile bei C herausfinden sollte. Am Ende war es wohl einfach Mathe?

Zumindest habe ich es mir so hergeleitet: A und S hatten am Ende jeweils 30 %. A hatte am Anfang 75 %, also hat A C 15 % seines Anteils verkauft. B hat C wiederum 5 % verkauft, weil B statt 25 % anschließend nur noch 20 % hatte. Bei der Mitunternehmerischen BAS habe ich lange gehadert, ob ich hier richtig liege oder nicht, der Hinweis in der Aufgabe bezüglich der Anwendung von § 4 Abs. 1 EStG hat mich denken lassen, dass ich nicht so falsch liegen kann. Das würde der Prüfer doch nicht einfach so reinschreiben.

An sich denke ich, dass ich den Fall verstanden habe. Aber ich konnte es einfach nicht so strukturiert aufs Papier bringen, wie ich es gerne gehabt hätte.

Die Eröffnungsbilanz habe ich direkt am Anfang erstellt, als klar war, dass die Bruttomethode verwendet werden sollte. Das war ja nur abschreiben aus dem SV. Die Ergänzungsbilanzen habe ich schon mal erstellt und zumindest mit den Posten gefüllt die ich dachte. Die Beträge habe ich allerdings erst später eingeträgen. Bei der Folgebewertung bin ich mir allerdings überhaupt nicht sicher, ob ich hier genug Fußgängerpunkte mitgenommen habe. Es wurde dann auch langsam knapp mit der Zeit und ich war mir einfach mit allem so, so unsicher. Hat der private Verkauf der anteiligen WG an C nun ein Veräußerungsgeschäft nach § 16 oder § 23 dargestellt ? Der Korrektor wird sich jedenfalls freuen >.< zum Glück schreibe ich digital.

Mein Problem ist gerade: Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie viel von dem, was ich geschrieben habe, am Ende tatsächlich richtig war. Vielleicht reicht es noch zur 4,5 oder doch eine 5,0 aber vielleicht war der 2. Tag gut genug um auszugleichen ? Ich weiß es nicht.

Nach der Prüfung wurde ich dann von einer Freundin mit einem Blumenstrauß abgeholt.

Wir haben dann noch einen Kaffee getrunken und ewig gequatscht, wir haben uns jetzt wegen der Prüfung lange nicht gesehen und uns viel zu erzählen gehabt. Und ich muss sagen: Sie hat mir auf jeden Fall ein bisschen meine Sorgen genommen.

Denn egal, was jetzt kommt – ich kann es nicht mehr ändern! 

Nach Hause zu kommen, hat sich trotzdem irgendwie komisch angefühlt. Der leere Schreibtisch ohne die ganzen Gesetzessammlungen und Unterlagen ist so ein ungewohntes Bild. Ich habe den Koffer auch unausgepackt im Flur stehen lassen. Ich will diese Backsteine nicht mehr sehen. Am Computer habe ich erstmal ganz schnell alle Tabs geschlossen, die auch nur im Entferntesten mit Lernen zu tun hatten.

Weg damit.

Jetzt brauche ich das alles nicht mehr! Zumindest erstmal.

Morgen geht es für mich erst einmal zur Belohnung in den Spa. Massage, Sauna und einfach den ganzen Tag entspannen. Das habe ich mir definitiv verdient.

Vor allem habe ich mittlerweile total Rückenschmerzen. Ich habe heute während der Klausur gemerkt, wie extrem angespannt ich gesessen habe. Am Ende konnte ich teilweise wirklich kaum noch sitzen vor Schmerzen. Also wird morgen erstmal alles dafür getan, meinen Körper wieder halbwegs zu entspannen. Richtig gut geplant von mir!

Und damit war’s das erstmal von mir!

Erzählt gerne mal, wie ihr die Tage nach eurer Prüfung verbringt. Wird direkt gefeiert, erstmal ausgeschlafen oder wart ihr genauso verloren wie ich? 😂

Und vor allem: Wer muss Montag auch schon wieder zur Arbeit? 🙁 

 

Ein Beitrag von:

  • Moin liebe Leute! Ich bin Cindy, 29 Jahre jung und wohne in der wunder­schönen Nord­heide. Ziel des Aben­teuers: Steuer­bera­ter­prüfung 2026/27. Und ja, der Weg dort­hin war jetzt schon so eine Art Achter­bahn­fahrt....

Kommentare zu diesem Beitrag:

7 Kommentare

  1. Danke für
    Deine Rückmeldung 😉 sehr interessant und ausführlich 😉
    Dein Tag klingt doch eigentlich ganz gut, glaub du hast überall deine Punkte gesammelt, es steht schon viel gutes drin. Und denk dran, 40 pkt sind erstmal das Ziel. Drücke dir alle Daumen!;)

  2. Fühle mich auch ein bisschen verloren, realisiere es auch noch nicht, dass es jetzt erstmal vorbei ist. Ich mag deinen Post sehr, kann alles sehr gut nachempfinden. Gefühl von guten Themen, dann komische Sachen und Sonderlocken, Zeitverluste, Panik …… mit einmal Unsicherheiten bei eigentlich bekannten Themen.
    Bin leider nicht gut darin mich selber einzuschätzen. Wollte ursprünglich zurücktreten und bin jetzt doch froh abgegeben zu haben. Mein Gefühl ist eher, dass es dieses Jahr noch nicht reichte. Trotzdem gibt’s noch einen kleinen Hoffnungsschimmer der bleibt und mich animiert am Ball zu bleiben und den mündl Teil ab nä. Woche anzugehen.

    Morgen Vormittag Pediküre und abends mit Freundinnen essen und mich ein bisschen ablenken lassen.

    1. An den Hoffnungsschimmer klammere ich mich auch. Und ich würde schon denken, dass es gut war das du abgegeben hast. Natürlich hat man dadurch jetzt diese Phase der Ungewissenheit, aber solltest du wieder erwartend nicht bestehen, hast du zumindest die Noten und kannst daran nochmal anders einschätzen wie gut oder schlecht deine Leistung war.
      Ich drücke dir die Daumen ♥

  3. Ich bin seinerzeit nach der Prüfung mit dem Gefühl nach Hause gefahren “rund 50% sind falsch, hoffentlich etwas weniger als 50% und nicht etwas mehr”.

    Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, ob und, wenn ja, wie ich bestanden habe.

    Im Dezember kam der Brief und ich hatte eine 4,5, also bestanden!
    Die Mündliche habe ich dann auch bestanden, das ist also möglich, auch bei einer 4,5 als schriftliche Vornote.

    Macht Euch jetzt nicht verrückt, die Prüfung ist geschrieben, zu ändern ist nichts mehr. Alle Daumen sind gedrückt!

  4. Letztes Jahr nach Tag 3 bin ich zur Bushaltestelle gelaufen, habe auf den Bus gewartet und plötzlich sind mir die Tränen nur so runtergelaufen. Ich konnte es gar nicht aufhalten. Es war keine Erleichterung, es war einfach eine tiefe Erschöpfung. Der Mann neben mir hatte mich ganz mitleidig und etwas besorgt angeschaut 😉

    Ich habe interessiert die letzten Tage hier mitgelesen. Leider muss ich nächstes Jahr nochmal schreiben und bekomme Panik, wenn ich an die ganzen schwierigen Themen denke, die ich nicht kann…

    Bis dahin vergeht aber noch viel Zeit und ich bin ja noch gar nicht in der Intensivphase angekommen…

    Ich drücke allen, die dieses Jahr geschrieben haben, ganz fest die Daumen, dass es geklappt hat! Gönnt euch jetzt erstmal ein paar Tage Ruhe und Abstand.

    1. Ich finde es wirklich stark, dass du dich noch einmal der Prüfung stellst!
      Ich kann mir nur vorstellen, wie viel Überwindung es kostet, sich dem Ganzen erneut zu stellen, gerade wenn man noch so genau weiß, wie erschöpfend und emotional belastend es beim letzten Mal war. Aber du hast diese Erfahrung schon einmal durchlebt und weißt jetzt auch, was auf dich zukommt. Sollte es bei mir nicht geklappt haben, werde ich mich auch in den Zweitversuch wagen, auch wenn sich der Gedanke, dass ich die letzten 6 Monate der Vorbereitung nochmal wiederholen muss, ein bisschen wie Folter anfühlt.

      Versuch, dich von den schwierigen Themen nicht jetzt schon zu sehr verunsichern zu lassen. Bis zur Prüfung ist noch viel Zeit und du musst nicht heute schon alles können. Schritt für Schritt! Ich drücke dir ganz fest die Daumen und wünsche dir, dass du mit mehr Sicherheit und Zuversicht in die nächste Runde gehen kannst. Du schaffst das! 🫶🏻

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